DANIEL WIRTZ - "11 Zeugen", release 28.03.2008
DANIEL WIRTZ - "11 Zeugen"
VÖ: 28.03.2008
Label/Vertrieb: Wirtz Musik/PIAS Rough Trade
Presse/Online Promo
Ein Mann redet Tacheles. „Ich hab gefickt ich hab betrogen / mich durch´s Leben gelogen / ich war viel aus und oft besoffen / hab mir die Lichter ausgeschossen“ heißt es etwa in „NE WEILE HER“. Kein anderer deutscher Rocker kehrt sein Innerstes so ungeschützt nach außen, niemand sonst offenbart seine Abgründe derart schonungslos, wie WIRTZ. So heißt es weiter: „Hab tagelang nichts gefressen / und die Zeit in Gramm gemessen“. Der Bekenner-Song stammt aus einer Phase, in der WIRTZ tief im Sumpf steckte, er brauchte Monate, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.
"Ich werf den ersten Stein bin ohne Schuld trag ’nen Heiligenschein / Ich sitz gern bequem / wenn andere Leute unter gehen", formuliert der Frankfurter in „ERSTER STEIN“. „Alle Texte stammen aus meinem Leben“, verrät WIRTZ. „Ich singe dieses selbstkritische Zeug, um aus meinen Fehlern zu lernen.“ Auf seinem Albumdebüt „11 ZEUGEN“ legt er eine verblüffend vielschichtige Selbstreflektion an den Tag. „Lutsch mich leer solang’ s was gibt / tritt richtig rein, wenn ich am Boden lieg,“ beschreibt der 31jährige in „KEINE ANGST“ den Big Bang einer Trennung. In „HEUTE WEIß ICH“ blickt er auf seine überwundenen Krisen zurück.
Die souveräne Machart von Musik und Texten lässt es bereits erahnen, WIRTZ ist kein Anfänger. Bereits mit Fünfzehn gründete er seine erste Band, seit 1999 stand der fantasievoll tättowierte Shouter am Mikro von Sub7even. Drei Alben haben sie aufgenommen, fast jede Woche tourte das Quartett durch die Republik.
Für sein Solo-Debut „11 ZEUGEN“ bedient er sich seiner Muttersprache. „Es ist mir wichtig dass jeder der meine Lieder hört, versteht worum es geht - ehrlich und direkt- mit runtergelassener Hose...“
Musikalisch besitzt er eine Vorliebe für Grunge, also für´s Dunkle, Drängende und Rebellische. Dieser Sound ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen, so kann er deutsche Texte nahtlos auch mit düster melodischen Klängen verschweißen. Was als Ego-Therapie begann, trifft offensichtlich den Nerv von anderen. „Es kommen Leute zu mir, die sagen: „Alter, du lebst mein Leben“, berichtet WIRTZ. „Die meisten Menschen machen ein Geheimnis aus ihren Problemen. Für mich ist es das Wichtigste, authentisch zu sein, singende Schauspieler haben wir doch schon genug. Seit ich diese Lieder geschrieben habe, geht´s mir um einiges besser.“ So kann WIRTZ im erwähnten „HEUTE WEIß ICH“ bereits erste Früchten der kreativen Therapie ernten: „Heute weiß ich wie man Dinge bewegt / ohne dass dabei nur Chaos entsteht“.
Warum Leute überhaupt anfangen Musik zu machen hat die unterschiedlichsten Gründe: Der eine will mit möglichst vielen Mädels in die Kiste hüpfen, andere wollen im Puff nichts bezahlen oder im feinsten Restaurant immer ohne Reservierung einen Tisch bekommen. Kein Bock auf körperliche Arbeit, ein Alkoholproblem, schwaches Ego, gerne lange ausschlafen können…Es gibt unzählige Motivationen! Für manchen ist die Musik Passion, oder Eigentherapie um überleben zu können, Problembewältigungsmaschine, Psychiater, Tagebuch...
Ich würde sagen, dass in meinem Fall von allem etwas zutrifft, die letzten Aspekte aber wohl die treibende Kraft waren und sind.
Es bleibt viel auf der Strecke von dem was man sagen will, wenn man die Texte in einer anderen Sprache als der eigenen schreibt. Gut, das war mir mit 15 scheißegal; man wollte eh nur die Leute schocken. Die Welt verbessern?!?!? Lass mal... Später vielleicht. Lieber ein bisschen Party machen und möglichst laut in die Luft ballern. Im Laufe der Jahre wurde mir aber das Texten und vor allem der Inhalt immer wichtiger. Und es fing an mich zu stören, dass außer denen, die das Booklet der Platten lasen, keiner so richtig wusste worum es in meinen Songs eigentlich geht.
Auf meinem Album „11 ZEUGEN“ erzähle ein wenig aus meinem Leben. Etwas über meine Fehler, Träume und Sichtweisen. So wie ich bin, so wie ich's sehe. Mit runtergelassener Hose…
Der Plan ist, die Welt zu verbessern, aber nicht indem ich andere ans Kreuz nagle oder mit dem Finger auf sie zeige. Mit der Axt musikalisch und textlich durch die Landschaft zu pflügen ist mir zu simpel. Der einzige, aber gleichzeitig auch unbequemste Weg etwas besser zu machen ist, bei sich selbst anzufangen. Ich habe mich dafür entschieden ihn zu gehen.


