The Maccabees - "Colour It In" release 03.08.2007
The Maccabees - "Colour It In"
VÖ: 03.08.2007
Label/Vertrieb: Universal Music
Presse/Online Promotion
Bibel- und beatlefeste Fleißbienen?
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Heute muss man sich den Sonnenschein vor der Bühne suchen. Im Himmel gibt’s nix zu holen. Das Glastonbury-Festival, Englands größtes und legendärstes, ertrinkt mal wieder. Von oben schüttet es aus hektischen Wolken, an den Füßen zieht und zehrt der Matsch, ein kräftige Pampe, die jeden Schritt zu greifen scheint. Man fühlt sich an den Steve-Mc-Queen-Streifen „The Blob“ erinnert, bloß dass man es hier mit einer kotbraunen Allesfresserpampe zu tun hat. Vor dem Peel-Tent, benannt nach dem Kult-DJ mit dem Riecher für junge Talente, hat sich bereits ein kleiner See gebildet, der die Fans jedoch nicht zu stören scheint. Man watet und rennt hindurch, schiebt sich in die Menge, die schon längst nicht mehr ins Zelt passt. Von drinnen ertönt die charmante Aufforderung: „Turn this darkness into light!“ Der Song heißt passenderweise „Precious Time“ und die fünf Jungspunde, die da über die Bühne wirbeln, sind The Maccabees. Man kann die Wirkung ihrer Musik mit bloßem Auge erkennen: Der XTC-inspirierte Gitarrensound lässt schlammverschmierte Füße shufflen, das Klacken der Drums Hüften kreisen, und als Sänger Orlando Weeks zum letzten Refrain ansetzt, hat er die Menge im Sack. Tausende singen mit ihm: „Let’s take our precious time about it!“ Das lässt einen glatt vergessen, dass der Regen noch immer aufs Dach trommelt, es reißt einem das Herz auf und flutet es mit reinem Sonnenlicht.
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Die Maccabees spielen als vorletzte Band an diesem Freitagabend. „Quite an honour“ würde der Engländer sagen. Andererseits haben sie auf der Insel inzwischen einen Status, der ihnen auch den Headlinerslot hätte einbringen können. Spätestens nach der NME-Clubtour mit The Dykeenies, The Horrors und The Fratellies kennt man sie als Spaßgaranten – im besten Sinne des Wortes. Denn ihre Musik ist leicht und treibend zugleich, ihre Popsongs handlich gestrickt, und dennoch legen sie eine Melodietrunkenheit an den Tag, dass einem ganz wirr im Kopfe wird. Trotzdem kann man ihnen keinen mangelnden Tiefgang unterstellen. Zwischen Songs über lokale Wellenbäder („Latchmere“), die einen mit Zeilen wie „no bombing and no heavy petting“ zum Schmunzeln bringen, oder einer Ode an unser liebstes Spielzeug („LEGO“) gibt’s auch die „songs for the broken hearted“, wie das ergreifend geschluchzte „Mary“. Was auf der Bühne so locker aus der Hüfte gespielt wird, ist natürlich in Wahrheit das Produkt harter Arbeit. Gitarrist Felix White stellte das erst unlängst wieder in einem Interview klar: „Es mag einfach sein, die Illusion aufrecht zu erhalten, dass man als Band, die schnell zum Big Name wurde, nichts dafür tun musste, dass das alles einfach so passiert ist – aber so ist es verdammt noch mal nicht! Jede einzige Band, die da steht, wo wir jetzt stehen, hat alles dafür geopfert, um da hinzukommen. Für jede Tour, die wir spielen, proben wir jeden Tag. Und das, obwohl wir die Songs schon seit drei Jahren spielen!“
Die Maccabees stammen ursprünglich aus Clapham Common in London, wohnen aber seit zwei Jahren aus Studiengründen in Brighton. Wobei ein Blick auf ihren straffen Tourplan das Wort „wohnen“ beinahe verbietet. Nicht nur, dass sie ihre Musik auch zu den Kids der letzten Vorstädte Englands bringen, auch Europa wird regelrecht abgegrast. Das mag zwar die erwähnte harte Arbeit sein, bringt aber letztlich auch die Band voran. „Dank der vielen Auftritte sind wir viel tighter geworden und kennen unsere Songs viel besser“, so Sänger Orlando. „Als wir anfingen zu proben, hatten wir immer den Livesound im Blick, wir haben gar nicht dran gedacht, etwas aufzunehmen. Wir glauben eher, dass wir als Band nur so gut sind wie unsere Liveshows sind.“ Trotzdem haben sie dann alles richtig gemacht, als es an das Debüt „Colour It In“ ging. So konnte man den Ex-Smiths und Blur-Produzenten Stephen Street für sich gewinnen, der den Sound zwar ein wenig glättete, ihm jedoch nicht den juvenilen Schmiss nahm. Das hätten sich die Maccabees auch nicht gefallen lassen, war doch ihr bisheriges Wirken von einer selbstbewussten DIY-Haltung geprägt. Das süße Fingerpuppenvideo zu „About Your Dress“ entstand von Anfang bis Ende in Eigenregie und schaffte es gleich ins Musikfernsehen. Das Artwork zu „Colour It In“ wurde von Orlando mit entworfen, und die Tracklist demokratisch ausdiskutiert. So muss das. Man kann sich als großes Label wahrlich pflegeleichtere Acts ins Haus holen.
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Zurück auf dem Glastonbury fordern die Maccabees gerade mit „About Your Dress“ noch mal zum kollektiven Tanzen und Springen auf, als in den letzten Reihen plötzlich über die Herkunft des ungewöhnlichen Bandnamens gestritten wird. Das wäre aber auch wirklich mal eine 500.000-Pfund-Frage bei „Who Wants To Be A Millionaire?“:
A) Der Name ist eine Verneigung vor Paul McCartney, dessen Spitzname bekanntlich „Macca“ lautet.
B) Die Band hat ihn aus der Bibel, und er bezieht sich auf die jüdischen Widerstandskämpfer gleichen Namens, die sich gegen griechische Besatzer zu Wehr setzten.
C) Es handelt sich dabei, passend zum Arbeitsethos der Band, um eine besonders fleißige Bienenart.
D) Das Maccabees ist ein Pub in ihrer alten Heimat Clapham.
Und jetzt? Telefonjoker anrufen oder die Antwort selber auf der schnieken Bandwebsite rausfinden. Die da lautet: www.themaccabees.co.uk.


