La Vela Puerca - "El Impulso" release 31.08.2007
La Vela Puerca - "El Impulso"
VÖ: 31.08.2007
Label/Vertrieb: Universal Music
Presse/Online Promotion
Schweine mit Flügeln
La Vela Puercas neues Album „El Impulso“
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Wer hätte gedacht, dass „der Zwerg“ aus Montevideo einmal die größte Rockband links und rechts vom Rio de la Plata gründen würde? La Vela Puerca, die Helden einer nihilistischen Ska- und Punkszene im Uruguay der Post-Diktatur, erreichten 2004 Popappeal und Platinverkäufe mit ihrem letzten Album „A Contraluz“. Vorwärts und nicht vergessen. Der vereinzelte Kracher ist noch geblieben („Colabore“). Insgesamt hat sich ihr neuer Longplayer „El Impulso“ aber von der einstigen Raubeinigkeit der Straßenphilosophen entfernt. Manchmal denkt man an Stadionrock („Neutro“), dann haben sie etwas von Mano Negra oder jüngeren iberischen Rockbands. Zwölf Jahre gibt es La Vela Puerca, und nach zwölf Jahren verändern sich nicht nur die Hausbesetzer vom Prenzlauer Berg. Aus der verranzten Vela-Bar wurde ein semi-schicker Club; die nackte Glühbirne wich Kerzenlicht. Dennoch: Keine professionelleren Arrangements können den Freigeist von Sebastián Teysera alias „El Enano“ (der Zwerg) in seiner Unberechenbarkeit aufhalten und auch nicht die an Phil Spector anklingende „Wall of Sound“-Produktion.
„Man kann nicht glücklich sein, ohne die Traurigkeit zu kennen“, sagt Teysera, während er sich in einer Bar im hippen Barracas-Viertel von Montevideo die achte Zigarette (an der siebten) anzündet. Es ist Mittag, nur wenig Menschen sind dort, dennoch meckert der 70jährige Barkeeper über Stress. Einsame Poeten stürzen Kaffee herunter und verschlingen Bücher, kontrastiert von uruguayischen Businesstypen, die auf cool machen. Dazwischen „Zwerg“ Teysera, dessen südamerikanische Slacker-Aura jedem Trend standhält. „Als ich „Para No Verme Más“ schrieb“, erklärt er, „hab ich mich total über mich selbst erschrocken. Wer ist dieser Typ? Wer bin ich? Ich haue besser ab, ich will den nicht sehen“, lacht er. „Para No Verme Más“, eine Ballade voller urbaner Melancholie und Nervtreffender Melodien, wurde der beste Songs des neuen Albums, der einzige, in dem der Frontmann mit den traurigen Augen und dem gemächlichen Gang über sich selbst singt. „Ich schreibe oft Texte und setze dann alles in die dritte Person, damit sich die Leute besser damit identifizieren können. Aber hier fragte ich mich: Warum will ich mich nicht selbst sehen? Wohin will ich gehen?“ „El Impulso“, das erst vierte Album, vertieft die Kontraste, aus denen heraus sich La Vela Puerca seit „Contraluz“ nach vorn bewegen. Der vergleichsweise perfekten Produktion stehen Verquertheit und Tiefsinn in den Texten gegenüber, schlicht-schöne Melodien lindern den Schmerz. „Ich weiß nicht, ob ich heute glücklicher bin als früher“, sagt Teysera, während er sich die neunte Zigarette (an der achten) anzündet. „Aber ich weiß, dass ein Lachen, das keinen Schmerz kennt, nur ein falsches Lachen sein kann.“
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Produziert haben das neue Album Juan Campodónico und Luciano Supervielle: Alumnis des Latin-Pop-Gotts und Grammy-Stammgasts Gustavo Santaolalla – und dessen Bandkollegen im Bajo Fondo Tango Club. Damit haben sich La Vela Puerca von Santaolalla – der ihre letzten drei Alben produzierte – abgenabelt. Dennoch bleibt alles in der Familie. Die jungen Elektro-Tangueros modernisierten (als kreative Außenstehende) den Vela-Sound, brachten ihn auf Augenhöhe mit modernen englischen Rockbands. Vielleicht ist das sogar der eigentliche „Impuls“ des neuen Albums. Er lässt Charisma und Identität der Milonga-Rocker intakt.


