FEEDER - "Silent Cry", release 20.06.2008

FEEDER - "Silent Cry"
VÖ: 20.06.2008
Label/Vertrieb: Echo/Essential Music/Indigo
Presse/Online Promo

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Eigentlich hätten Feeder schon vor zehn Jahren von der britischen Musikpresse zum nächsten großen neuen Ding erklärt werden müssen. Jedenfalls in einer gerechten Welt. Aber weil sie doch eben immer ein bisschen zu viel Wert auf die Musik und nicht ganz so viel auf ein cooles Image legten, blieben Feeder trotz hervorragender Alben und solidem Erfolg immer etwas im Hintergrund, während Kollegen wie die Manic Street Preachers, mit denen sie in ihren frühen Tagen gern mal verglichen wurden, zu großen Stars wurden.

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Die Geschichte von Feeder begann vor nunmehr 16 Jahren: Damals lernten die beiden Waliser Grant Nicholas (Sänger, Gitarrist und Songschreiber) und Jon Lee (Schlagzeug) in London den Bassisten Taka Hirose kennen, der gerade frisch aus Japan eingetroffen war, um sich trotz seines Jazz-Backgrounds als Metalgitarrist zu verdingen. Möglich, dass gerade derart vielfältige Einflüsse dem Powerpop von Feeder seinen ganz eigenen Sound gaben. „Wir hatten von Anfang an die Grundidee, ein sehr lautes, krachiges Trio mit guten Melodien zu sein“, erklärt Grant rückblickend. „Und wenn man unsere ersten Demos hört, dann klingen die gar nicht so viel anders wie das, was wir heute machen. Mich überrascht es immer, wenn die Leute sagen, wir hätten uns so sehr verändert, weil wir immer noch genau das machen, was uns damals vorschwebte.“ Noch verwunderlicher ist vielleicht im kurzlebigen Musikgeschäft, dass Feeder heute noch denselben Manager und mit Echo auch dasselbe Label haben wie früher. Und dass sie so konstant gut geblieben sind, obwohl sie über die Jahre mehr Höhen und Tiefen erlebten als viele andere Bands.

Nach dem ersten Album Polythene starteten Feeder 1997 gleich richtig durch. Mit ihren fulminanten Liveshows beeindruckten sie Fans und Kritiker gleichermaßen, und zwei Jahre später, als Yesterday Went Too Soon erschien, gingen die drei bereits im Vorprogramm der Red Hot Chili Peppers und der Manic Street Preachers auf Tour. In ihrer britischen Heimat gelang ihnen dann 2000 mit dem kommerzieller gehaltenen Album Echo Park der große Durchbruch – vor allem dank der darauf enthaltenen Single „Buck Rodgers“, die bis in die Top 5 der britischen Charts kletterte.

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Aber gerade, als die Zeichen auf Welterfolg standen, traf Feeder ein schwerer Schlag: 2002 beging Drummer Jon Lee Selbstmord. „Es war eine wirklich schlimme Zeit. Wir waren uns nicht sicher, ob wir überhaupt weitermachen wollten“, sagt Grant Nicholas. Es dauerte eine Weile, bis er und Taka Hirose sich dazu durchrangen, das nächste Album Comfort In Sound wie geplant zu veröffentlichen, in dessen Texten sich Grant intensiv mit Jons Tod auseinandersetzte. Als neuer Schlagzeuger kam der ehemalige Skunk-Anansie-Drummer Mark Richardson an Bord, und der Erfolg der 2006 erschienenen Collection The Singles bewies spätestens, dass Feeder nichts an Popularität eingebüßt hatten.

Silent Cry, das aktuelle Album, ist ein gelungener Mix aus neuen Herausforderungen und alten Tugenden. Vor allem zeichnet es sich durch eine Rückkehr der harten Gitarren aus, wie sie auch die beiden ersten Alben der Band prägten. Und nachdem man in der Vergangenheit mit großen Namen wie Gil Norton, Ken Nelson oder Stephen Street gearbeitet hatte, übernahm Grant die Produktion diesmal selbst, unterstützt von Toningenieur Matt Sime. „Die anderen haben meiner Vision sehr vertraut“, berichtet Grant. „Sicher hätten wir mit anderen Leuten arbeiten können, aber es hat sich nun einmal einfach so ergeben. Die Platte ist sehr organisch geworden, und wir spürten gleich, dass wir an etwas Gutem dran waren. Es gab keinen großen Plan, wir haben einfach losgelegt. Songwriting und Musik kann man ohnehin nicht planen.“

Auch hinsichtlich der Texte hat die Band eine neue Ebene erreicht. Ging es früher oft um persönliche, oft auch reale Erlebnisse, dann nutzt Grant seine Erfahrungen heute mehr dazu, um die turbulente Welt um ihn herum zu spiegeln. „Ich wollte niemandem predigen, aber ich habe mich ein bisschen mehr mit kritischen Themen beschäftigt“, erklärt er. „Dabei wollte ich allerdings nur meine persönliche Sicht darstellen, aus einem eher beobachtenden Blickwinkel. Vielleicht liegt es daran, dass ich jetzt Kinder habe. Ich möchte niemanden langweilen, aber seitdem denke ich anders über viele Dinge, und es ist in der Welt wirklich eine Menge passiert, seit ich mit der Arbeit an dieser Platte begonnen habe. Das hat mich sicher beeinflusst, aber es ist trotzdem kein politisches Album.“

Das zeigt sich schon am ersten Track, dem packenden Schlachtruf „We Are The People“, aber auch am berührenden, düsteren „Heads Held High“. Silent Cry ist aber auch deshalb so überzeugend, weil Feeder bei den weltpolitischen Themen Allgemeinplätze vermeiden und stets die Brücke über das Private schlagen, um uns zu zeigen, wie sich die Welt da draußen auf Grants – und eben auch auf unser eigenes – Leben auswirkt. Die Inspiration zu „Miss You“ zum Beispiel war ein Zeitungsartikel: „Es ist im Grunde ein urbanes Liebeslied über eine Beziehung, die sich sehr abgekühlt hat“, sagt Grant. „Damals ging es in den Nachrichten immer wieder um die Jugend von heute, um Messerstechereien und so, und daher handelt der Song auch von jemandem, der in einer solchen Umgebung lebt, der sich aber auch dessen bewusst ist, was draußen passiert. Aber jeder von uns wird irgendwann mit dem Verlust eines Menschen konfrontiert, und daher steckt auch meine eigene Erfahrung mit darin, auch wenn ich in einer ganz anderen Situation bin. Es ist ein ziemlich zorniger Song, aber auch ein Liebeslied, und ich wollte, dass es sehr jung und energiegeladen klingt.“

Die Richtung des Albums bestimmt allerdings der gelungene Mix aus nachdenklichen, introspektiven Titeln und den dynamischen, krachigen Energieschüben, bei denen Grant sich von Schlagzeug und Bass nach vorn peitschen lässt. Vor allem aber ist Silent Cry durchsetzt von klassischen Feeder-Popsongs wie „Tracing Lines“, die die Stimmung immer wieder auflockern. „Ich wollte unbedingt einige poppigere Elemente dabei haben“, meint Grant. „Von Anfang an gab es viele hymnische Titel, und ein Album muss auch widerspiegeln, dass jeder Tag im Leben anders ist als der andere. Und nicht jeder Tag ist voller richtig großer Erlebnisse. Das könnte man auch gar nicht verarbeiten. Daher sollten eben auch Songs darunter sein, die wie kleine Fluchten sind.“

„Für uns ist Silent Cry eine sehr wichtige Platte“, sagt Grant abschließend. „Ich dachte bei The Singles, jetzt glauben bestimmt alle, wir würden uns auflösen, und beinahe hätte ich die Compilation deswegen gar nicht veröffentlicht. Aber sie war im Nachhinein für uns sehr wichtig, denn sie hat mir gezeigt, was wir bis dahin alles geleistet hatten. Aber wir hatten trotzdem das Gefühl, dass noch viel mehr in uns steckt. Zwar denke ich, dass jedes Album gewissermaßen ein neues Kapitel aufschlägt, aber ich hoffe, dass uns Silent Cry einen sehr großen Schritt weiterbringt – und uns gleichzeitig auch wieder einen Schritt zu unseren Wurzeln machen lässt. Natürlich weiß man nie, wie andere Menschen diese Platte wahrnehmen werden, aber für uns ist zumindest eines klar: Wir haben ein Album abgeliefert, auf das wir stolz sein können.“

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