Chris Fiels - "Powis Square" reelase 24.08.2007
Chris Field - "Powis Square"
VÖ: 24.08.2007
Label/Vertrieb: FOD Records/Soulfood Music
Presse/Online Promotion
Über familiäre Gene wird ja sowieso viel zu wenig gesprochen im Rock-Biz. Nehmen wir mal einen vermeintlich ganz und gar undenkbaren Fall: Da hat einer einen Ur-Ur-Großvater, der dann auch noch Captain Matthew Webb heißt und sich in Zeiten, da die Menschheit wahrlich andere Sorgen hatte, als Schwimmer an die Überquerung des Ärmelkanals macht. Und dann rettet er dabei auch noch einen Ertrinkenden, der vom Dampfer nach Amerika in die Nordsee gefallen ist. Gut, etwas später ist der Captain am Versuch, die Niagarafälle hinabzuschwimmen, dann grandios gescheitert. “Nichts Großes ist wirklich einfach”, soll er vorher mal gesagt haben.
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Jahrzehnte später zieht der Enkel des Wagemutigen, Ron McFarlane, Stahlsaiten auf seine Gitarre und singt dem Enkel mit leichtem Country-Twang in der Stimme Lieder vor, bis dem Kleinen die Augen leuchten. Die Saat war damit ausgebracht, der Vagabunden-Blues hatte den Dreikäsehoch in der britisch geprägten Kleinstadt Dundas in Kanada gepackt. Ein paar Jährchen später besaß dieser Chris Field seine eigene Gitarre und erstand im Leihhaus für zwei Dollar die passenden Saiten. Und weil ihm die Cousins aus England schäbige Tapes mit den Songs der Beatles, Rolling Stones und Small Faces schickten, war der Boy bald ein echter Außenseiter.
Aber das blieb nicht so. “In einer blutbefleckten Army-Jacke, mit Rayban und Zottelhaar, war er Mr. LennonDylanJagger himself, Chris Field ließ das Publikum an jedes Bisschen Rock'n'Roll-Wahrheit glauben, die er da predigte.” Das schrieb die britische “The Sun”. Doch greifen wir nicht vor in der aufregenden Chronologie, zurück nach Kanada. Mit 18 war Chris Field mit seiner abgeranzten Gitarre aufgebrochen aus der Provinz, mit dem Greyhound und dicken Rosinen im Sack nach Vancouver. Da hing er mit den Underground-Hipsters ab, besaß trotz chronischen Geldmangels irgendwann irgendwie eine Stratocaster, gab den Support für die Jon Spencer Blues Explosion und performte auf Nacht-Parties mit Gleichgesinnten von Pine Top Perkins und Sonny Rhodes. Das war sein Ding. Im Railway Club mit Hunter S. Thompson über Indianerfragen reden, die nächste Flasche Jack D. plattmachen, vier Packungen Red Marlboros rauchen. Wie sowas passiert? Keiner weiß es, aber es passiert eben. “Des Messers Schneide? Es gibt keinen ehrlichen Weg, zu beschreiben, wo die ist. Das können höchstens Leute, die sie schon überquert haben”, hat Hunter S. Thompson mal gesagt. So ist das wohl.
Als die Vancouver-Szene langsam im Nebel verschwand, ging Field nach Toronto. Da waren die Nachtschwärmer noch wild, die Gerüchte noch taufrisch und Field bald ein Kult-Star, mindestens ein kleiner, der den Opener für die britischen Super Furry Animals oder Japans Garagen-Rocker Guitar Wolf gab. Dann rief die Rock-Legende Bob Rose an, der gerade mit Julian Lennon arbeitete und vom Autoren der “Sun” Chris' Debüt-Album kopiert bekommen hatte. Field reiste nach London und er und Bob passten zusammen wie die zwei letzten noch fehlenden Teile eines großen Puzzles.
Das Ergebnis jener Begegnung, die noch durch das zufällige Treffen von Rose mit seiner alten Freundin Sam Brown im Flieger USA-UK und ein paar andere Eventualitäten beflügelt wurde, liegt jetzt mit Chris Fields Album “Powis Square” vor. Der Band gehören Bassist Nigel Harrison (Blondie, Iggy Pop), Gitarrist Robbie Blunt (Robert Plant, Iggy again) und der Drummer Manny Elias (Peter Gabriel, Tears For Fears) an, Sam Brown singt Guest Vocals. Doch damit nicht genug: Beatles-Intimus Sir George Martin überwachte den Final Mix, Kinks-Gründer Ray Davies gab der Produktion fast wie im Vorbeigehen den letzten Segen, während draußen die Uhr seines Taxis lief.
Wie das Ganze jetzt klingt? Ziemlich magisch, durchaus ein bisschen geheimnisvoll, nach gestern, heute und morgen zugleich. Aber niemand wird hier wohl ein schnödes Aufsagen dummer Vergleiche erwarten, das wäre viel zu profan. Chris Field ist aus dem Leben eines Transatlantik-Undergroundhelden auf den besten Tisch der UK-Rock-Society gesprungen. Die Gene seines irrsinnig wagemutigen Ur-Ur-Großvaters schimmern durch jeden Song seines erstaunlichen Albums. Der Zirkel hat sich geschlossen.


